Predatory Publishing

Das Problem des Predatory Publishings, Publizieren bei Raubverlagen ohne Einhaltung der notwendigen Standards der Qualitätssicherung, gerät immer mehr in den Blickpunkt der Wissenschaftspolitik, der Medien und damit der Öffentlichkeit. Wissenschaft basiert auf höchsten Qualitätsstandards. Dies gilt gleichermaßen für die Forschung wie auch für die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in Fachorganen. Insbesondere das Peer-Review-Verfahren durch ausgewiesene, unabhängige Experten ist ein wesentlicher Garant für die Einhaltung hoher wissenschaftlicher Qualitätsstandards.
Die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen hat im Juli 2018 eine Stellungnahme zur Qualitätssicherung von wissenschaftlichen Veröffentlichungen verabschiedet. Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz folgte am 2. Oktober 2018 mit seiner Stellungnahme.
Zur Wissenschaftsfreiheit gehört, dass Forschende selbst entscheiden können, wie und wo sie ihre Ergebnisse veröffentlichen. Die Universität Bayreuth hält ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher an, die von ihnen gewählten Publikationsorgane sorgsam auszuwählen und sie, besonders im Falle unbekannter oder neuer Publikationsorgane, eingehend zu prüfen. Die folgende Frageliste hilft Ihnen bei der Orientierung.

Was ist Predatory Publishing?

Beim Predatory Publishing, also der Publikation von Forschungsergebnissen bei Raubverlagen, finden Qualitätssicherung (Peer-Review, Indexierung etc.) und redaktionelle Bearbeitung der Artikel häufig nicht statt oder sie entsprechen nicht den Standards der guten wissenschaftlichen Praxis.
Predatory Publishing ist häufig ein Phänomen im Bereich des Open-Access (OA)-Publizierens. Unter Missbrauch des Open-Access-Gedankens werden von Ihnen die beim OA-Publizieren üblichen APCs (Article Processing Charges) erhoben, ohne dass es zu entsprechenden Leistungen kommt: Ihr Artikel wird nicht oder unzureichend begutachtet, nicht oder unzureichend redaktionell bearbeitet, nicht oder unzureichend in den gängigen Fachdatenbanken indexiert, meist nicht dauerhaft öffentlich zur Verfügung gestellt und geht früher oder später verloren. Da Ihre Nutzungsrechte oft schon bei Zahlung der APCs, teilweise sogar bereits beim Einreichungsprozess der Zeitschrift, auf den Raubverlag übertragen wurden, können Sie Ihren Artikel nicht mehr an anderer Stelle veröffentlichen.

Warum ist Predatory Publishing so gefährlich?

Sie als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler sind primär die Geschädigten der Predatory Journals. Sie verlieren nicht nur das Geld, das Sie für die Publikation aufgewandt haben, Sie finanzieren zudem ein Publikationsformat, das Ihnen von vornherein die Chance auf eine gut sichtbare wissenschaftliche Veröffentlichung nimmt. Zugleich wird Ihre wissenschaftliche Reputation nachhaltig geschädigt, wenn Ihr Name einmal mit einem Predatory Journal in Verbindung gebracht worden ist.
Zunächst muss festgehalten werden, dass die wissenschaftliche Qualität eines Beitrags nicht von dem Journal abhängt, in dem dieser publiziert wird. Die Qualität kann immer nur auf Ebene der einzelnen Publikation bewertet werden. Ein Artikel ist also nicht automatisch unwissenschaftlich oder „fake science“, wenn er in einem Predatory Journal erschienen ist. Trotzdem erfüllt Ihr Artikel aufgrund der bei Predatory Journals unzureichenden oder fehlenden Begutachtung unter Umständen nicht die notwendigen Qualitätskriterien des guten wissenschaftlichen Arbeitens. Gilt das Journal als wissenschaftlich nicht zuverlässig, verliert auch Ihr Beitrag seine Aussagekraft, wird irrelevant und nicht zitierfähig. Da in Predatory Journals erschienene Beiträge nicht langfristig verfügbar sind, kann zudem die Nachweisbarkeit Ihrer wissenschaftlichen Arbeit nicht garantiert werden. Besonders für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist diese Nachweisbarkeit aber von großer Bedeutung für die eigene Karriere. Da fast alle Predatory Journals nicht in den großen Zitationsdatenbanken wie dem Web of Science oder Scopus indexiert werden, ist darüber hinaus die Sichtbarkeit Ihrer Forschungsergebnisse in diesen Zeitschriften stark eingeschränkt.
Schließlich werden Sie als Autorin oder Autor in einem Predatory Journal unbeabsichtigt zu Unterstützern dieser verwerflichen Geschäftspraktiken. Auch der Ruf Ihrer Universität wird gefährdet, da wiederholtes Publizieren in Predatory Journals durch Angehörige einer Universität als Folge mangelnder Forscherleistung des wissenschaftlichen Personals und mangelnder Qualitätssicherung durch die Universität angesehen wird.

Wie erkenne ich Predatory Publishing?

Die nachfolgenden Hinweise können, müssen aber nicht Indikatoren dafür sein, dass es sich bei einer Zeitschrift um ein Predatory Journal handelt. Treten die unten genannten Kriterien gehäuft auf, sollten Sie unbedingt noch einmal überprüfen, ob es sich tatsächlich um ein seriöses Publikationsorgan handelt.
  • Fehlende Indexierung in einer der bekannten Zitationsdatenbanken wie dem Web of Science oder Scopus. Nachdem Predatory Journals hier kaum zu finden sind, ist dies eine der schnellsten Möglichkeiten, um die Zuverlässigkeit einer unbekannten Zeitschrift zu überprüfen.
  • Aggressives Marketing. Eine etablierte Fachzeitschrift braucht dies nicht. Daher Vorsicht bei ständigen Werbe-Emails von neuen, unbekannten OA-Zeitschriften.
  • Mitunter ahmen Predatory Journals Stil und Namen etablierter Zeitschriften nach, um die Forschenden zu täuschen.
  • Verlag ist nicht zu identifizieren: Verlagsname ist unbekannt, Kontakt-Daten sind nicht vorhanden oder unstimmig und Kontakt per Telefon, Post und Email ist nicht möglich.
  • Zeitschrift ist Ihnen nicht bekannt, Sie haben bisher noch nie Artikel aus dieser Zeitschrift gelesen. Als Nachwuchswissenschaftler/in sollten Sie sich im Zweifelsfall an erfahrenere Kolleginnen und Kollegen wenden.
  • Herausgeberinnen und Herausgeber / Mitglieder des Editorial Boards der Zeitschrift sind unbekannt. Womöglich werden Sie sogar selber eingeladen, als Editor zu fungieren.
  • Falls die Namen angesehener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Mitglieder des Editorial Boards aufgeführt sind, sind diese in aller Regel nicht gefragt worden (Tipp: Am besten prüfen, ob die Tätigkeit für die Zeitschrift auch auf der eigenen Webpage der erwähnten Person genannt wird).
  • Nutzung eigener, teils frei erfundener Zitationsmetriken oder falsche Angaben bekannter Metriken, z.B. ein viel zu hoher Journal Impact Factor.
  • Online-Auftritt der Zeitschrift ist diffus: Inhaltsverzeichnisse sind dürftig oder fehlen, bei angeblichen OA-Zeitschriften sind aktuelle Artikel schwer zu finden oder nicht herunterzuladen.
  • Autoren-Richtlinien sind nicht ausformuliert, es gibt keine Angaben zum Peer-Review.
  • Es fehlen konkrete Angaben zu Kosten. Im Falle von OA-Zeitschriften sind die APCs (Article Processing Charges) nur versteckt zu finden.
  • Es fehlen Angaben zur Indexierung der Zeitschrift in Fachdatenbanken.
  • Keine Indexierung der Zeitschrift im Directory of Open Access Journals (DOAJ).
  • Verlag ist nicht Mitglied in der Open Access Scholarly Publishers Association (OASPA).
  • Verlag ist nicht Mitglied im Committee on Publication Ethics (COPE).

Die Initiative „Think Check Submit“, die durch Verlags- und Bibliotheksverbände unterstützt wird, gibt ähnliche und weitere hilfreiche Empfehlungen.


Was sind Scheinkonferenzen?

Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen können angewendet werden, um Scheinkonferenzen zu vermeiden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern vermeintlich wissenschaftlicher Konferenzen, die ebenfalls aggressiv per Spam-Emails vermarktet werden.
Nach Zahlen Ihrer Teilnahmegebühr hören Sie nichts mehr vom Veranstalter oder lediglich, dass die Konferenz in viel kleinerem Rahmen oder nur virtuell stattfindet. Ihre Teilnahmegebühr wird nicht rückerstattet. Ihre Einreichung für die Proceedings wird ohne redaktionelle Bearbeitung veröffentlicht und ist mit den gleichen Nachteilen wie eine Publikation in einem Predatory Journal behaftet.
Bitte seien Sie deshalb auch bei Einladungen zu Konferenzen vorsichtig. Die Konferenz-Veranstalter und Vorsitzenden (Conference Chairs etc.) sollten Ihnen bekannt sein. Die Konferenz sollte entweder von einer Ihnen bekannten Fachgesellschaft oder in enger Zusammenarbeit mit einer solchen ausgerichtet werden.

Was unternimmt die Universität Bayreuth gegen das Predatory Publishing?

Open-Access-Publikationsfonds

Die Universität Bayreuth befürwortet die Ziele von Open Access ( Open-Access-Strategie der Universität Bayreuth ). Als Unterstützung und Anreiz für Autorinnen und Autoren steht ein Publikationsfonds zur Verfügung, aus dem die APCs, die für die Publikation in einer OA-Zeitschrift anfallen, zu 100% übernommen werden können. Gefördert werden Publikationen in OA-Zeitschriften, die im Directory of Open Access Journals (DOAJ) gelistet sind. Darüber hinaus ist eine Förderung möglich, wenn Expertinnen und Experten aus der jeweiligen Fachcommunity relevante OA-Zeitschriften empfehlen oder Vorbehalte der OA-Beauftragten der Universitätsbibliothek gegenüber nicht qualitätsgeprüften Zeitschriften von den Forschenden entkräftet wurden.

Beratung und Aufklärung des wissenschaftlichen Personals

Die WiN Academy / University of Bayreuth Graduate School begleitet die Umsetzung der von der Hochschulleitung am 12. Juli 2011 empfohlenen „Maßnahmen zur Sicherung der Standards guter wissenschaftlicher Praxis bei der Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden, insbesondere im Promotionsverfahren“. Das Vermeiden von Predatory Journals ist Teil der guten wissenschaftlichen Praxis. Die Promovierenden und Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern der Universität Bayreuth werden daher im Rahmen entsprechender Kurse der WiN Academy – in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek – für das Thema sensibilisiert. Ebenso wird die Problematik der Predatory Journals auch in Kursen der WiN Academy zum Thema Open Access angesprochen und anhand von Fallbeispielen erläutert.
Das OA-Team der Universitätsbibliothek steht allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern jederzeit für Beratungen rund um das Thema OA-Publizieren zur Verfügung und hilft z.B. gerne dabei, eine geeignete, seriöse wissenschaftliche Zeitschrift zu finden. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Clemens Engelhardt

Tel. 0921 / 55 - 3429

Stephanie Herzog

Tel. 0921 / 55 - 3446

Email-Filter

Die Universität Bayreuth hält ihre Mitarbeitenden und Forschenden dazu an, bei vermehrtem Aufkommen von Spam-Emails von Raubverlagen und Scheinkonferenzen die Domains dieser Absender in den Spam-Filter ihres E-Mail-Programms einzutragen.
Gerne beantworten wir Ihre weiteren Fragen:

Clemens Engelhardt

Tel. 0921 / 55 - 3429
Universitätsbibliothek

Clemens.Engelhardt@uni-bayreuth.de

Dr. Ursula Higgins

Tel. 0921 / 55 - 7880
Forschungsförderung

Ursula.Higgins@uni-bayreuth.de